Abschied von einem Stück Wersau: Der alte Kastanienbaum auf dem Pfarrberg
1837 gepflanzt, über Generationen gewachsen und am 26. August 2026 gefällt – der alte Kastanienbaum auf dem Wersauer Pfarrberg war weit mehr als nur ein Baum. Er war ein Stück Dorfgeschichte.
Wer in Wersau den Pfarrberg hinaufging, kannte seinen Anblick: Neben dem markanten Wersauer Kirchturm stand die mächtige Kastanie. Zusammen mit dem alten Pfarrhaus, der Kirche und dem Turm prägte sie den historischen Ortskern. Nun ist dieser Anblick Geschichte.
Diese Geschichte reicht weit zurück. Im Jahr 1837 soll der Baum von Pfarrer Stahl gemeinsam mit seinen Konfirmanden auf dem Pfarrberg gepflanzt worden sein. An der Stelle, wo zuvor eine Linde stand, die einem Unwetter zum Opfer fiel.
Seit 1910 stand die Kastanie als Naturdenkmal unter besonderem Schutz. Sie war damit ein anerkanntes Zeugnis der Wersauer Geschichte und Landschaft.
Ein Baum voller Kindheitserinnerungen: Wenn im Herbst die ersten Früchte vom Baum fielen, begann für viele Kinder die Kastanienzeit. Mit Taschen, Körben oder einfach den Händen wurden die glänzend braunen Kastanien gesammelt. Und natürlich gab es dabei auch einmal Streit: Wer hatte die meisten gefunden? Wem gehörte die Kastanie, die gerade heruntergefallen war? Wer war zuerst dort?
Wie tief der Baum in der Erinnerung der Wersauer verwurzelt ist, zeigt die Erzählung der heute 91-jährigen Helga Mohr. Sie erinnert sich daran, dass bereits ihre Großmutter erzählt habe, wie sie als Kind an eben diesem Baum Kastanien gesammelt hatte.
So verbindet der Baum Werscher Kindheitserinnerungen über fast zwei Jahrhundert hinweg und
wurde fester Teil des Wersauer Dorfbildes. Der Pfarrberg gehört zu den ältesten Bereichen Wersaus. Der historische Ortskern mit seinen alten Gebäuden, dem Kirchturm und dem Pfarrhaus steht heute als Ensemble unter Denkmalschutz. Der Wersauer Kirchturm gilt als Wahrzeichen des Ortes. Zusammen mit der Kastanie entstand ein Bild, das für viele Wersauer selbstverständlich war – so selbstverständlich, dass man sich vermutlich kaum Gedanken darüber machte. Bis der Baum plötzlich nicht mehr selbstverständlich war.
Der letzte Sommer: In den vergangenen Jahren hatte die alte Kastanie zunehmend mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Hallimasch, ein holzzerstörender Pilz, hatte das Wurzelwerk befallen. Im Sommer 2026 zeigte sich schließlich unübersehbar, dass das Leben des alten Baumes zu Ende ging. Zum ersten Mal blieb seine Krone ohne Laub. Mehrere Gutachten bestätigten schließlich, der Baum war abgestorben. Herabbrechende Äste konnten Menschen gefährden. So blieb am Ende keine andere Möglichkeit: Der etwa 190 Jahre alte Baum musste gefällt werden. Es war keine gewöhnliche Baumfällung. Für viele Wersauer bedeutete sie den Abschied von einem vertrauten Teil ihrer Heimat. Die Nachricht und die Bilder von der Fällung wurden in der Wersauer WhatsApp-Community mit großer Anteilnahme geteilt. Zahlreiche Fotos dokumentierten, wie Stück für Stück verschwand, was über Generationen zum Ortsbild gehört hatte.
Kein neuer Baum an seiner Stelle: So verständlich der Wunsch nach einer neuen Kastanie an diesem historischen Platz ist, eine einfache Neupflanzung ist auf absehbare Zeit leider nicht möglich. Der Grund liegt im Boden. Der Hallimasch hat das Wurzelwerk des alten Baumes befallen, und der Pilz befindet sich dadurch tief im Erdreich des Pfarrbergs. Eine neue Kastanie würde wieder von dem Pilz befallen werden und selbst resistentere Baumarten wären nicht vor einem Befall geschützt, so ein Experte der Unteren Naturschutzbehörde.
Ein Stück des Baumes bleibt: Ganz verschwinden wird die Kastanie jedoch nicht. Eine Scheibe des Stammes konnte gesichert werden. Sie soll künftig Teil der Ausstellung im Dorfmuseum Wersau sein. Vielleicht werden Besucher des Dorfmuseums irgendwann vor dieser Scheibe stehen und sich fragen, was dieser Baum wohl alles erlebt hat. Die Antwort ist: sehr viel. Er erlebte Kaiserreich und Weltkriege, Wersauer auf Pferden und in Elektroautos, die Erfindung des elektrischen Lichts und die Mondlandung. Er sah unzählige Wersauer Brautpaare, die frisch verheiratet aus dem Tor des Kirchturms unter seine Äste traten und aberhunderte Wersauer Kinder, die mit leuchtenden Augen seine Früchte sammelten.
Am 26. August 2026 ist er gefallen. Aber aus dem Wersauer Gedächtnis wird er so schnell nicht verschwinden. Denn manchmal ist ein Baum eben nicht einfach nur ein Baum. Manchmal ist er ein Teil der Heimat.
Museumsfest am Samstag 13.6.26
Heimat- und Geschichtsverein Wersau lädt ein: Museumsfest und Zeitreise durch Werscher Gasthäuser
Am Samstag, den 13. Juni, verwandelt sich das Dorfmuseum wieder in einen Treffpunkt für alle Generationen, Geschichtsinteressierte und Geselligkeitsliebende. Der Heimat- und Geschichtsverein Wersau lädt alle Werscher sowie Gäste aus nah und fern herzlich zum diesjährigen Museumsfest ein!
Ab 15:00 Uhr stehen die Türen offen. Neben dem gemütlichen Beisammensein erwartet die Besucher in diesem Jahr ein ganz besonderes Highlight: Eine Sonderausstellung widmet sich der Geschichte der Werscher Gasthäuser.
Wo traf man sich früher zum Stammtisch? Welche Geschichten ranken sich um die historischen Wirtshäuser unseres Dorfes und wie prägten sie über Generationen hinweg das gesellschaftliche Leben in Wersau? Die Ausstellung wirft mit alten Fotografien, Dokumenten und Anekdoten einen Blick zurück in die Zeit, als die Gasthäuser noch der lebendige Mittelpunkt des dörflichen Alltags waren.
Für das leibliche Wohl ist wie immer bestens gesorgt: Der Verein hält Leckeres vom Grill und kühlen Getränke bereit, um auf einen geselligen Nachmittag anzustoßen.
Kommen Sie vorbei, bringen Sie Familie und Freunde mit, schwelgen Sie in Erinnerungen und genießen Sie ein paar schöne Stunden in gemütlicher Runde.
Der Heimat- und Geschichtsverein Wersau freut sich auf Ihr Kommen!
Jahreshauptversammlung des Heimat- und Geschichtsvereins Wersau am 21.06.2026
Am Sonntag, den 21.06.2026 findet ab 11:00 Uhr im Evangelischen Gemeindesälchen Wersau (Jahnstraße 12) unsere Jahreshauptversammlung für das Vereinsjahr 2025 statt, zu der wir hiermit herzlich einladen.
Tagesordnung:
- Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden mit anschließender Gedenkminute
- Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung und Beschlussfähigkeit
- Vereinsjahr 2025 – Bericht des Schriftführers
- Finanzbericht 2025 der Schatzmeisterin
- Bericht der Kassenprüfer
- Entlastung des Vorstands
- Wahl der Kassenprüfer für das Vereinsjahr 2026
- Wünsche und Anträge
- Verschiedenes
- Schlusswort des 1. Vorsitzenden
Wünsche und Anträge zur Jahreshauptversammlung bitte schriftlich bis spätestens 19.6.2026 beim 1. Vorsitzenden einreichen:
Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen unserer Mitglieder und Unterstützer.
Euer Vorstand des HuGV Wersau
Odenwälder Journal vom 31.01.2026
Ein sehr schöner Artikel über unser Dorf. Der HuGV Wersau ist stolz, dass ein großer Teil der historischen Fakten auf die Recherchearbeiten und Entdeckungen unseres Vereins zurückzuführen ist.
Ein erfolgreiches Museums- und Vereinsjahr 2025
Jahresrückblick des Heimat- und Geschichtsvereins Wersau
2025 war für den HuGV ein Jahr mit vielen schönen Momenten, Projekten und erfreulich großem Interesse aus dem Dorf und der Umgebung. Von der Taufe der Werscher Gans im Frühjahr bis zu Weihnachtsgrüßen im Advent war im und rund ums Dorfmuseum einiges los.
Sie heißt Magret
Den Anfang machte eine Aktion, an der sich viele Werscher beteiligt haben: die Namenssuche für die neue Bronze-Gans auf der Kreuzgass. Über 80 Vorschläge gingen ein – von klassisch bis sehr kreativ. Am Ende war das Ergebnis eindeutig: Magret.
Der Name wurde gleich 22-mal vorgeschlagen, meist ganz bewusst im Dialekt, ohne „R“. Am 6. April wurde Magret im Rahmen der Saisoneröffnung unseres Dorfmuseums feierlich getauft und gehört seitdem fest zum Ortsbild.
Saisonstart des Dorfmuseums mit besonderem Exponat
Bei bestem Frühlingswetter öffnete das Dorfmuseum, direkt nach Magrets Taufe, die Türen für die neue Saison. Hier wartete ein echtes Highlight: Das historische Uhrwerk aus dem Wersauer Kirchturm lief erstmals seit den 1960er-Jahren wieder vollständig.
Während rund eines Jahres Restaurierungsarbeit konnte das Baujahr auf um 1550 eingegrenzt werden – das älteste Turmuhrwerk im weiten Umkreis. Eine kleine Sensation. Fachleute bestätigten dem Restaurierungsteam eine sehr sorgfältige und gelungene Arbeit, die in einem kurzen Film dokumentiert wurde. Bis Ende 2025 wurde dieser Film auf YouTube bereits über 21.000-mal angesehen.
Der Wersauer Pfarrberg bei winterlicher Abendstimmung
2025 bot der HuGV einen besonderen Service an:
Die Wersauer Kirche und der Pfarrberg als Motiv für Weihnachtsgrüße.
Das Angebot wurde von vielen Menschen angenommen und die Bilder insgesamt über 200 mal runtergeladen.
Hier geht´s zu den weiteren Bildern:
Artikel des GTA-Teams der Grundschule Wersau "Brensbacher Nachrichten" vom 21.11.25
Die GTA-Kids der Grundschule Wersau erneut on Tour 😊
2. Besuch des Dorfmuseums beim Heimat- und Geschichtsverein Wersau
Bereits im Februar 2024 besuchten die Kinder der Ganztagesbetreuung schon einmal das Heimatmuseum unseres Dorfes. Letzten Mittwoch zog eine kleine Gruppe von 14 Kindern erneut los und stattete dem Museum ihren zweiten Besuch ab. Marco Tischler vom Heimat- und Geschichtsverein Wersau begrüßte uns und führte die Kinder engagiert und kindgerecht durch das kleine Museum. Hier gibt es doch allerhand zu sehen und zu bestaunen.
Besonderes Interesse fanden die alten Münzen aus der Römerzeit, diese durften befühlt und ganz nah in Augenschein genommen werden. Der Rennofen, mit dem früher Eisen hergestellt wurde, wurde ebenfalls bestaunt. Da steht eine alte Drechslermaschine. Was man mit der wohl herstellen könne, war eine der vielen Fragen. Und eine alte Nähmaschine fand auch Gefallen, der ein oder andere bemerkte, dass es im Haushalt der Großeltern so etwas auch noch gibt.
Vortragsabend wird zum vollen Erfolg
Vollbesetzte Halle beim Vortrag „Der 30-jährige Krieg im Odenwald“
Die Mehrzweckhalle Wersau war mit 250 geschichtsinteressierten Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt, als am Samstag, den 1. November 2025, der Heimat- und Geschichtsverein Wersau zum Vortrag „Der 30-jährige Krieg im Odenwald“ eingeladen hatte. Das große Interesse übertraf alle Erwartungen – ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr historische Themen aus unserer Region die Menschen bewegen.
Die Michelstädter Historikerin Antje Vollmer begeisterte das Publikum mit einer mitreißenden und lebendigen Präsentation, die selbst komplexe geschichtliche Zusammenhänge greifbar machte. Mit eindrucksvollen Bildern und den spannenden Fakten ihrer Recherchearbeit führte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer in eine der dunkelsten Epochen des Odenwaldes und machte deutlich, warum der Dreißigjährige Krieg hier solche tiefen Spuren hinterließ, obwohl unsere Heimat nie unmittelbarer Kriegsschauplatz war.
Neuzugang im Dorfmuseum: Bügelknopf-Fibel aus der Völkerwanderungszeit
Der Heimat- und Geschichtsverein Wersau freut sich, einen besonderen Neuzugang in seiner Sammlung präsentieren zu können: Ab sofort ist in unserem Dorfmuseum eine germanische Bügelknopffibel aus der Völkerwanderungszeit zu sehen – ein bedeutendes Fundstück aus Wersau, das Einblick in eine bewegte und doch weitgehend unerforschte Epoche unserer frühen Geschichte bietet.
Museumsfest 2025
Eine rundum gelungene und sehr gut besuchte Veranstaltung
Das Museumsfest des Heimat- und Geschichtsvereins Wersau am 14. Juni 2025 war ein voller Erfolg. Bei sommerlich heißem Wetter erleben die zahlreichen Besucher in gemütlicher Atmosphäre, mit leckerem Essen vom Grill und erfrischenden Getränken, Geschichte zum Ansehen, Anhören und Anfassen.
Nach wie vor unser Highlight: Die restaurierte Wersauer Turmuhr aus dem 16. Jahrhundert, die dieses Jahr das Herzstück der Ausstellung darstellt. Sie faszinierte einmal mehr nicht nur Technikinteressierte, sondern auch Familien mit Kindern, die den Erklärungen des Restaurierungs-Teams des HuGV lauschten und die alte Mechanik in Aktion erleben konnten.
Großes Interesse fand auch der Start der neuen Ausstellung „Volksempfänger“, in der restaurierte Röhrenradios aus den 1930er Jahren präsentiert wurden.
Saisonstart 2025
Großes Interesse an Saisoneröffnung im Dorfmuseum Wersau
Bei strahlendem Frühlingswetter startete das Werscher Dorfmuseum am Sonntag, den 6. April, erfolgreich in die neue Saison. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins und erlebten einen abwechslungsreichen und interessanten Nachmittag.
Den Auftakt bildete die feierliche Taufe der neuen Bronze-Gans auf der „Kreuzgass“, die von unserem 1. Vorsitzenden Michael Göttmann stellvertretend für die drei beteiligten Ortsvereine durchgeführt wurde und den letzten Akt der 710-Jahre-Feier darstellte. Unter großem Applaus wurde die Gans auf den Namen MAGRET getauft. So wurde es von den Werschern zuvor im Rahmen einer großen Namens-Suche entschieden.











